Voice2Coach - Funktionale Stimmbildung

Interview


Ulli Holderbaum Interview Voice2coach.de

Welcher Musiker hat dich am meisten beeinflusst?


Am meisten beeinflusst hat mich ohne Zweifel "Prince", nicht nur wegen seiner Gesangskunst, sondern vor allem wegen seiner extravaganten, narzistischen Bühnenpräsenz und seinem unglaublichen musikalischen Können. Stimmlich bin ich ein Fan von meiner Schülerin Lisa Benjamin (bitte googeln!), Jill Scott, Anita Baker, Whitney Houston, Ella Fitzgerald, Sarah Vaughan oder den frühen Erfolgen von Mary J. Blidge, bevor sie zu schreien begann. Nicht, dass mir expressive Sänger nicht gefallen würden. Im männlichen Gesang finde ich gerade im Rockbereich Jack Black von Tenacious D, Adam Lambert, der bei Queen unter Vertrag steht, Brian Setzer, Gary Cherone von Extreme, Lenny Kravitz oder auch Tom Jones genial.

 

Was kannst du mir gesanglich besser beibringen als alle anderen Lehrer?


Zum einen kann ich dir vor allem einen Weg zu deiner eigenen, gesunden, individuellen Stimme zeigen. Dabei ist es völlig egal, in welcher Ästhetik zu dich bewegst. Schlüssel hierzu ist Selbstwahrnehmung. Der Sänger, der sich selbst wahrnimmt, wird sich nicht verletzen. Zum anderen erlernst du, wie du dich durch die verschiedenen Techniken im Gesang (Rock, Pop, Jazz, Musical, usw.) bewegst. Oft erlernt man im sogenannten klassischen Gesangsunterricht nur eine Klangfarbe kennen, die man aber im Rock- oder Jazzgesang nicht gebrauchen kann. Der flexible Umgang mit der Stimme ist mit das Wichtigste in meinem Unterricht. Natürlich arbeite ich auch an Ausdruck, Bühnenpräsenz und Mikrophon-Technik.

Ein anderer großer Bereich in meinem Unterricht widmet sich Sängern, die noch gar keine sind. Ich habe mich auf Anfänger spezialisiert. Ich arbeite so gerne mit viel Liebe und Freude an der Stärkung der Persönlichkeit und löse Ängte auf. Der ganzheitliche Gedanke, Körper und Seele miteinzubeziehen, ist der, der mir wichtig ist.
 

Wie hast du singen gelernt?


Als Kind hatte ich eine Zeit, in der ich Sprachprobleme hatte. Die Logopädin hatte mit Kinderliedern über die Hintertür meine Stimme wieder hervorgelockt. Dieses Erlebnis hat mich für mein Leben geprägt. Das Singen ist seither für mich ein positives Signal, das mir immer Freude bereitet und mich auch durch dunklere Jahre immer positiv begleitet hat. Später dann habe ich eine Ausbildung zum Gesangspädagogen angestrebt, um anderen Menschen ebenfalls eine Möglichkeit zu zeigen, immer wieder die Sonnenseite des Lebens zu genießen.

 

Auf welchem Equipment spielst du heute?


Mein Equipment ist mein Körper. Meine Stimmbänder liefern das Resultat.

 

Welche persönliche Eigenschaft hat dir beim Üben am meisten geholfen?


Bei mir funktioniert das Lernen über Aha-Erlebnisse und Beobachtungen. Natürlich muß man auch die Muskulatur immer trainieren. Das mache ich natürliche über Gesangsübungen, aber das Trainieren beim Singen eines Songs Songs ist mir viel lieber. Einen Song erlerne ich am schnellsten, wenn ich mir über das rhythmische Gerüst des Songs im Klaren bin und die Silben des Songs rhythmisch spreche. Insofern ist mir mein rhythmisches Verständnis wohl am Wichtigsten.

 

Was hat dein Instrument, was andere nicht haben?


Nun, ich habe es immer bei mir :-)

 

Worauf achtest du dich besonders beim Unterrichten?


Mir ist Individualität wichtig. Jede Stunde verläuft anders. Ich hole den Schüler dort ab, wo er gerade steht. Ich entwickle jede Stunde einen Weg, die emotionale Situation des Schülers an diesem Tag in meinen Unterricht zu integrieren. Ich schaffe es immer, den Sänger glücklich aus der Stunde gehen zu lassen.


Wie baust du deine Musikstunden auf?


Ein Ankommen und Gehen muss zeitlich in der Unterrichtsstunde möglich sein. So kommt der Sänger 5-10 Minuten vor Beginn, trinkt mit mir noch eine Tasse Tee oder ein Glas Wasser und hat die Möglichkeit, seinen Tag vor unserem Unterrichtsraum zu lassen und mit mir gemeinsam in die Welt des Gesangs einzutauchen. Mein Unterricht ist klar nach Kontakt-/Experimental- und Integrationsphase aufgebaut. D.h. in der Kontaktphase frage ich nach möglichen musikalischen oder technischen Wünschen, die ich erfüllen kann, biete je nach Zielsetzung dann Körper- und Gesangsübungen an, die dann im optimalen Verlauf in einem Song getestet werden.
 

Wie gehst du bei Kindern vor?


Die Kinder- und Jugendstimme ist etwas sehr schönes und feines und muss mit besonderer Sorgfalt behandelt werden. Deshalb ist es meine Meinung, dass Kinder und Jugendliche am besten von funktionalen Gesangslehrern unterrichtet werden sollten, denn diese kennen sich mit der Physiologie der Stimme ganz besonders aus. Der Weg durch den Stimmbruch ist eine heikle Angelegenheit, die nicht von Amateuren begleitet werden sollte. Bei mir sind alle Kinder und Jugendliche herzlich ab 10 Jahre willkommen. Der Unterricht unterscheidet sich nicht wesentlich von dem der Erwachsenen.